Selfpublishing - Fluch oder Segen?

Im Rahmen der Blogtour zu „Umdrehungen – Das Leben steht still“ von Sonja Bethke-Jehle gehe ich heute auf den Schwerpunkt Selfpublishing ein.
Mittlerweile ist Selfpublishing ein großes Thema.
Für die einen ist es ein Segen – weil sie ohne diese Möglichkeit vielleicht sonst hätten nie ihr Buch veröffentlichen können.
Doch es finden auch wahnsinnig viele Diskussionen statt, gerade unter Autoren selbst. Alleine schon die dadurch entstehende Frage: „Ab wann ist man Autor?“ heizt manches mal ordentlich ein.


Heute befrage ich die Autorin Sonja Bethke-Jehle zu diesem Thema:

   1. Wie bist du auf das Selfpublishing gestoßen?

Bis vor Kurzem dachte ich bei Selbstpublishing noch an riesige Buchbestände, die in der Garage lagern und niemand möchte sie kaufen. Dieses Risiko wäre mir viel zu groß gewesen. Ich bin dann irgendwann auf das Thema Amazon Createspace gekommen. Doch dort zu veröffentlichen, war mir nicht sehr geheuer. Es ist schon schlimm genug, dass dieser Konzern so groß geworden ist und Konkurrenz oft keine Chance hat. Dabei hätte ich kein gutes Gefühl gehabt. Aber ich habe mich auf die Suche begeben und etwas Ähnliches gefunden. BOD. Das ist ein perfekter Zwischenweg zwischen herkömmlicher Verlag und diese Garagenlagern. Einige der Arbeiten nehmen sie dir ab, so dass du es recht bequem hast. Sie melden deine Bücher bei der Nationalbibliothek an, verteilen die Bücher an die verschiedenen Onlinestores und sammeln die Einnahmen. Einen Teil davon – die Autorenmarge – erhält dann der Autor. Wenig riskant, zumal der Vertrieb über BOD nichts kostet, abgesehen von einer sehr geringen Einrichtungsgebühr. Auch ein Probeexemplar erhält man. Lektorat, Manuskript und Cover bleiben dann die Aufgaben des Autors.

   2. War es für dich von Anfang an klar, dass du dein Buch in Eigenregie raus bringst, oder war auch der Weg über einen Verlag eine Option?

Ich hatte eigentlich immer vor, mir für Umdrehungen einen ganz konservativen Verlag zu suchen. Leider ist das Schreiben dann total aus dem Ruder gelaufen. Es hatte irgendwann 1.000 Seiten. Sehr viel konnte ich kürzen, allerdings konnte ich es nicht auf ein Buch kürzen. Somit habe ich entschieden eine Trilogie daraus zu machen und fand auch zwei gute Stellen, an den ich den Cut ansetzen wollte. Leider haben sich dadurch meine Hoffnungen auf ein Verlag mit einem Schlag zerschlagen. Ich hätte natürlich die Möglichkeit gehabt, es dennoch versuchen zu können. Doch der ganze bürokratische Aufwand und die erheblich langen Wartezeiten haben mich abgeschreckt. Gerne nehme ich das in Kauf, wenn ich realistische Chancen sehe, aber nicht, wenn ich sowieso nicht optimistisch bin. Wer bringt schon eine Trilogie einer unbekannten Autorin raus? Und die Rechte an nur einem Buch – dem ersten Teil – zu vergeben kam für mich nicht in Frage. Die Energie habe ich dann lieber in das Marketing reingesteckt. Das heißt aber nicht, dass ich niemals mit einem Verlag zusammenarbeiten möchte. Das wird dann für jedes Manuskript neu entschieden.

   3. Letztendlich ist es ja so, dass du dein Buch komplett ohne Verlag herausgebracht hast. Würdest du sagen, dass es dadurch schwerer für dich war?

Ich glaube, Selbstpublishing und Verlagsveröffentlichungen haben beide Vor- und Nachteile. Verantwortlich für Lektorat und Cover zu sein, ist sehr zeitaufwendig und kann teuer werden, verfügt man nicht über gute Kontakte. Auch das Marketing frisst viel Zeit – Zeit, die der Verlagsautor zum Schreiben verwenden kann. Andererseits bin ich den Lesern viel näher. Ich kann selbst entscheiden, ob und wann ich auf Blogtour gehe, welche Blogger ich ins Boot hole, wo und wann ich eine Leserunde abhalte. Die Leserunden kann ich komplett alleine leiten, was unglaublich viel Spaß macht. Ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und bereue meine Entscheidung nicht. Was aber nicht bedeuten soll, dass ich diesen Weg immer einschlagen werde.

   4. Was denkst du, wie sind Selfpublisher in der heutigen Zeit gestellt? Hat man schlechtere Chancen, hat man es vielleicht schwieriger bekannt zu werden, als ein Verlagsautor?

Pauschal sehr schwer zu beantworten. Es gibt größere und kleinere Verlag. Verlage, die ihre Autoren mit viel Liebe und Sorgfalt begleiten, die Bücher bewerben, sie unterstützen. Ich glaube, dann ist es leichter im Verlag zu veröffentlichen. Dann gibt es aber auch wieder Verlage, für die der Autor nur einer von vielen ist. Eine Nummer, sonst nichts. Da geht dann persönlich nicht viel. Oder auch kleine Verlage, die sicherlich sehr für ihre Autoren kämpfen, aber natürlich nicht über die finanziellen Polster verfügen. Als Selbstpublisher kannst du es selbst in die Hand nehmen. Ohne Marketing wirst du sicherlich durchs Raster fallen. Mit gezielten Maßnahmen kannst du dein Buch aber immer bekannter machen und immer mehr Leser dazu gewinnen. Ob ein Buch bekannt wird, hängt vielleicht weniger mit der Art der Veröffentlichung zusammen, wie wir immer glauben. Ist das Buch gut, spricht das Cover die Menschen an, hat man zusätzlich noch eine Portion Glück – dann kann man es schaffen, egal ob mit Verlag im Rücken oder in Eigenregie.

   5. Ein Verlagsautor hat ja den Vorteil, dass sich „professionelle“ Menschen seines Werkes annehmen, und so, so manche schwere Arbeit abnehmen. Wie war es bei dir, als Selfpublisherin? Warst du wirklich komplett auf dich alleine gestellt, oder hat man auch Selfpublisher Möglichkeiten, Hilfe zu erhalten?

Man hat immer die Möglichkeit auf professionelle Hilfe zurückzugreifen. Zum Glück bin ich ein Mensch, der mit anderen Menschen ganz gut auskommt. Ich hatte unglaublich viel Hilfe beim Korrekturlesen und auch beim Cover. Ich habe mich auch sehr gut informiert, sodass ich einige der Teilschritte ganz gut selbst hinbekommen habe. Aber natürlich kann man sich einen professionellen Lektor dazuholen. Oder einen Grafikdesigner. Ersteres konnte ich Dank meiner Kontakte unkompliziert und ohne Zusatzkosten lösen. Dass ich keinen professionellen Grafikdesigner ins Boot geholt habe, bereue ich mittlerweile ein bisschen. Da bekommt man schon für wenig Geld sehr viel Unterstützung.

   6.Es gibt einige Selfpublisher, die sagen, man brauche kein Lektorat, andere halten es auch dann für sehr wichtig. Wie stehst du dazu?

Also ganz ohne Lektorat geht es nicht. Ich hatte für den ersten Band meine Schwester und meinen Mann und musste erkennen, dass einige Fehler geblieben sind. Ich würde niemals empfehlen, Verwandte oder Freunde zu fragen. Es muss schon jemand sein, der auch in der Branche ist. Für den zweiten Teil erhielt ich Unterstützung von einer dritten Korrekturleserin, die auch ein einfaches Lektorat durchgeführt hat. Ich kann verstehen, dass sich Selbstpublisher wegen der hohen Kosten scheuen, besonders weil dann auch die Angst mitspielt, dass man an jemanden gerät, der zwar viel Geld nimmt, seine Arbeit aber nicht gut macht. Dennoch würde ich immer zumindest mal genügend Testleser über das Werk schauen lassen. Und zwar welche, die nicht mit einem befreundet oder verwandt sind.

   7. In diesem Blogeintrag geht es ja um die Frage: Fluch oder Segen? Wo siehst du die Nachteile, beim Selfpublishing?

Über denen einen Aspekt haben wir uns ja unterhalten. Marketing kostet Zeit und Nerven, die von der Zeit abgeht, die man ansonsten für das Schreiben verwendet. Lektorat kostet viel Geld. Cover ist ohne professionelle Hilfe nie so gut wie ein Verlagscover. Ein weiterer Nachteil ist die Stigmatisierung. Ich habe mein Herz, meine Liebe in die Geschichte über Ben und Zita gegeben. Und ich erhalte auch so viel positives Feedback. Trotzdem gibt es immer Leute, die sagen, dass mein Buch gar nicht so gut sein kann, wenn es keinen Verlag hat. Es gab sogar Verlagsautoren, die sich geweigert haben, meine Arbeit anzuerkennen. Und auch Blogger, die mein Buch abgelehnt haben. Teilweise kann ich diese Ablehnung verstehen, denn es kommt leider so viel Mist auf den Markt, da rollen sich einem schon die Fußnägel hoch. Aber sind wir nicht alle selbstverantwortlich? Sollten wir nicht selbst Perlen von Mist unterscheiden können? Für jedes Buch gibt es eine Leseprobe. Wenn man die durchliest, erkennt man, ob sich das Buch lohnt oder nicht. Ich mag Vorurteile nicht. Niemand muss mein Buch mögen, aber es sollte auch niemand verurteilen, ohne sich einen Eindruck verschafft zu haben. Ich habe Fehler gemacht. Im Cover, teilweise im Korrekturat, aber in diesem Buch ist meine Liebe, mein Herzblut. Und das haben ja schon so viele Leser erkannt. Dafür bin ich auch sehr dankbar.

   8. Und wo die Vorteile?

Ich liebe die Freiheit, die ich habe. Ich habe Lust auf eine Leserunde? Cool, dann mache ich das. Ich muss mit niemanden Rücksprache halten. Ich möchte mein Buch als Wanderbuch anbieten? Warum nicht? Wenn ich Lust habe, mache ich das. Diese Blogtour konnte ich ganz alleine organsieren. Ich durfte mir die Blogger aussuchen und habe die Arbeit mit ihnen selbstverantwortlich durchgeführt. Ein tolles Gefühl!



Zusammenfassend kann man sagen, dass beide Wege – sowohl das Selfpublishing, als auch der Weg über die Verlage – Vor- und Nachteile bringen.
Für was ihr euch letztendlich entscheidet, müsst ihr für euch selbst abwägen.
Doch das Ergebnis am Ende ist dasselbe: Ihr könnt euer eigenes fertiges Buch in den Händen halten, und hoffen, dass so viele Leser wie möglich dazu kommen, es zu lesen.



Gewinnspielablauf:

Es gibt insgesamt jeweils ein E-Book und ein Printexemplar zu dem ersten Teil  „Umdrehungen – Das Leben steht still“ und zu dem zweiten Teil „Umdrehungen – Das Leben geht weiter“ zu gewinnen. Bitte schreibt in euren Kommentaren, ob ihr den ersten Teil schon kennt und Interesse an dem zweiten Teil habt oder ob ihr den ersten Teil noch nicht kennt und bevorzugt diesen gewinnen wollt. Außerdem wäre es auch gut zu wissen, ob ihr bei der Verlosung bei den Printbüchern und/oder den E-Books teilnehmen möchtete. Die Chancen erhöhen sich natürlich, wenn ihr in beide Lostöpfe hüpft. Macht einfach auf allen Blogs mit, dadurch erhöht sich eure Gewinnschance nochmal.

Mitmachen ist ganz einfach: Besucht unsere Blogs und kommentiert den Blogtourbeitrag in dem Zeitraum der Blogtour und beantwortet dort die Fragen. Je mehr Fragen ihr beantwortet, desto mehr Lose mit euren Namen sind im Loskopf. Hinterlasst sowohl Name als auch eine E-Mailadresse, damit die Autorin euch am Ende im Gewinnfall kontaktieren kann.
Sowohl alle Bloggerinnen als auch die Autorin freuen sich auf eure Teilnahmen, Antworten und Beiträge. Wir stehen für Fragen zur Verfügung.

Die heutige Frage lautet:

Gebt ihr Selbstpublishern eine Chance? Seid ihr schon mal von der Qualität enttäuscht worden? Wie steht ihr zu dem Thema?

Kommentare:

  1. Name: Anik Heinrich
    E-Mail: Anik-Schnatterzahn@t-online.de
    Ich kenne den ersten Teil bereits und hätte Interesse an den zweiten Teil "Umdrehungen- Das Leben geht weiter". Den zweiten Teil hätte ich gerne als Print Exemplar.

    Ein sehr interessantes Interview und was das Schöne ist, dass ich jetzt auch noch mehr Einblicke bekommen habe, was Selbstpublishern überhaupt ist. Sehr lehrreich und nebenbei wieder etwas gelernt. : )

    Zu der Frage:

    Ich muss ganz ehrlich sagen, ich war erst einmal überrascht, dass es überhaupt so etwas wie Selbstpublishern gibt. Ich dachte immer, dass das alle geregelt sein muss und man immer ein Haufen Verträge hat und dann Geld von dem Verlag bekommt.

    Dass man das alles aber auch selbst organisieren kann, ist natürlich eine riesen Herausforderung.
    So wie es Sonja Bethke Jehle beschreibt, ist es halt etwas, was man nicht jeden Tag macht. Ein Buch herausbringen und dann wirklich für alles gerade stehen.

    Es gibt eben doch viele Dinge, die man falsch machen kann und wo professionelle Hilfe praktisch wäre. Und dann ist da natürlich, dass man bei einem Verlag an Bedingungen und Verträge gebunden ist, aber eben die Hilfe hat.

    Es ist aber wirklich ein schwieriges Thema, weil beide Seiten positive und negative Sachen vorweisen können.

    Ich glaube, man muss da seine Erfahrungen machen und vllt. Auch einen Sprung in das kalte Wasser riskieren. Und man muss eben immer wieder neu entscheiden und abwägen, was kann ich und was will ich.

    Wenn ich der Typ Mensch wäre, der „Faul“ ist und bloß keine Arbeit will, dann wäre ein Verlag praktisch. Wenn ich dagegen voll dabei bin und bei allem möglichen „Käse“ selber Hand anlegen möchte so wie ich lustig bin, dann ist natürlich Selbstpublishern praktisch.

    So stehe ich persönlich jetzt nach diesem kleinen lehrreichen Interview dazu. ; )

    Ich würde Selbstpublishern dennoch eine Chance geben. Ob da nun groß Verlag oben steht oder nicht, es ändert nichts an den Inhalt des Buches, von dem ich neulich schon einmal gesprochen habe.

    Die Geschichte und die Autorin bzw. der Autor bleibt derselbe.

    Das Beispiel mit den Selbstpublishern lässt sich aber auch auf andere Bereich ausweiten. Wenn ich einen Anwalt habe, der übelst genial ist aber keinen Anzug trägt sondern T-Shirt, denken auch alle, was will der hier? Oder der Anwalt fährt keinen BMW sondern Fahrrad.

    Ich glaube, viele lassen sich da auch zu sehr auf das Image hinab und das ist wirklich schade und etwas, was man leider im Moment nicht ändern kann.

    Enttäuscht worden von Selbstpublishern bin ich bisher eigentlich noch nicht und dafür ist Umdrehungen ein gutes Beispiel. : )

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    1. Hallo Anik,

      lieben Dank für diesen Kommentar, und es freut mich, dass du aufgrund des Interviews einen guten Einblick erhalten hast - Ziel erreicht, würde ich da sagen. :D

      Und Glückwunsch zu dem Gewinn! :) Viel Spaß mit dem Buch.

      Liebe Grüße
      Kat

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  2. Dieses Interview finde ich gut ausformuliert und, noch wichtiger, sehr interessant! Mir war früher auch nicht klar, was genau Self-Publishing ist, und wo die Vor- und Nachteile liegen. Danke dafür!

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    1. Hallo Voyageur,

      danke und viel Erfolg.

      Gruß, Sonja.

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    2. Liebe Voyageur,

      vielen Dank! *-*

      Es freut mich, wenn man durch uns beide, einen besseren Einblick erhalten konnte. :)

      Liebe Grüße
      Kat

      P.S.: Glückwunsch zu dem Gewinn! :)

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